Katastralgemeinden

Aus der Chronik der Marktgemeinde Ziersdorf

Seit 1972 ist unsere Marktgemeinde eine Großgemeinde, bestehend aus neun Katastralgemeinden. Jeder Ort hat eine jahrhundertelange Geschichte, die es wert ist, aufgezeigt zu werden. Hier sollen nun in kurzer geraffter Form die Entstehung und die wichtigsten historischen Ereignisse präsentiert werden.

Dippersdorf

Die dort gemachten Funde gehören der Bronzezeit an. Als das Dorf des Diepolz gehörte es zum Passauer Domkapitel, zum St. Pöltner Chorherrenstift, im 18.Jhdt. dem Deutschen Ritterorden.

1230 wird der Ort erstmals genannt.

Dippersdorf ist seit 1969 bei der Großgemeinde Ziersdorf.

Weithin bekannt: das Dippersdorfer Bründl.

Fahndorf

1110 in der Einweihungsurkunde der Pfarrkirche Ravelsbach erstmals urkundlich genannt.

Erster Name: Vogindorf; zunächst Sitz eines Adelsgeschlechtes. Die Stifte Zwettl, Heiligenkreuz und andere österreichische Ministeriale hatten hier Besitz. Die dem hl. Geist geweihte Kirche ist seit 1783 Mittelpunkt der eigenen Pfarre, welche zum Stift Melk gehört. Die Kirche ist in der Apsis gotisch, das Langhaus ist eine Ergänzung um 1800. Die Florianistatue wurde 1801 errichtet.

Seit 1971 bei der Großgemeinde Ziersdorf.

Gettsdorf (Gotzeinsdorf, 14.Jhdt.)

Dieser Ort hängt in seiner Geschichte eng mit Ravelsbach zusammen. Die ältesten Matriken beginnen nach dem Dreißigjährigen Krieg. Die meisten Nachrichten beziehen sich auf Pfarre und Kirche. Die unterstand Ravelsbach und hatte im Mittelalter eigene Vikare, von denen einer 1396 genannt wird. Der bekannteste Pfarrer war der Melker Anselm Steyrer, ein tüchtiger Mathematiker und Architekt, der seine Entwürfe für Kirchenbauten schuf, nach denen auch die jetzige Kirche ausgeführt wurde. Zur Pfarre gehörten einst die Orte Hollenstein, Minichhofen, Wolfsbrunn, Fahndorf und Ziersdorf.

In der Kirche befinden sich Bilder aus der Trogerschule.

Der Friedhof außerhalb des Ortes wurde 1702 angelegt. Ein Schulmeister wird 1661 genannt. 1721 erbaute Melk aus dem Kirchenvermögen eine Schule.

Seit 1967 bei der Großgemeinde Ziersdorf.

Großmeiseldorf (Misselborndorf, um 1170)

Um 1170 werden die ersten Mitglieder eines dem Burggrafen von Gars verpflichteten Dienstmannengeschlechtes genannt. Größeren Besitz erlangten im Laufe der Zeit die Kuenringer, Maissauer und das Chorherrenstift Dürnstein. Auch die Herren von Radelbrunn waren hier Inhaber landesfürstlicher Lehen. 1423 erhielten sie einen Hof, der später in das Eigentum des Stiftes Melk kam. Der Ort gehörte ehedem zur Pfarre Ravelsbach, von der er 1783 als selbständiger Pfarrort ausschied.

Die Schule wurde ebenfalls 1783 errichtet und 1882 vergrößert.

Bemerkenswertes Gebäude im Ort ist der Melker- oder Scheidelhof Nr. 11, der 1567 Besitz des Melker Hofmeisters war.

Schwer lasteten die Kriegsereignisse auf der Ortschaft. 1619 (30jähriger Krieg) fanden hier 50 Bauern den Tod. 1645 brachte der Schwedeneinzug den Brand des Ortes. 1805 und 1809 waren Franzosen hier.

Seit 1972 bei der Großgemeinde Ziersdorf.

Hollenstein

1275 beginnt die Aufzeichnung über diesen Ort, der nicht nur der Pfarre Gettsdorf eingepfarrt ist, sondern mit Gettsdorf auch schulisch eng verbunden war. Der Landesfürst besaß um 1275 in Hollenstein drei Lehen und einen Meierhof. Göttweig bezog von zwei Lehen den Zehent, ebenso verfügte Melk über Wein- und Getreidezehente. Orts- und Grundobrigkeit war bis 1848 die Herrschaft Unter-Dürnbach, das Landesgericht hatten Eggenburg-Limberg.

Die kleine, sehr schöne Kapelle, welche den Ort ziert, wurde nach Plänen des jungen Clemens Holzmeister erbaut.

Seit 1967 bei der Großgemeinde Ziersdorf.

Kiblitz

Um 1140 schenkte eine Witwe an das Kloster Garsten ein Gut zu Chubilizi. in Chubilitz bezog das Passauer Domkapitel un 1230 Zehente und auch das Retzer Dominikanerkloster war hier begütert. Als Ort slawischen Ursprungs gehörte Kiblitz zur Pfarre Rohrbach, besaß aber lange Zeit eine eigene Schule und nunmehr eine eigene Kapelle mit Kirchencharakter.

Am Waldesrand gelegen, bietet Kiblitz eine schöne Sommerfrische.

Seit 1971 bei der Großgemeinde Ziersdorf.

Radlbrunn (Radigenbrunnen, 1110)

Der Markt wird zuerst in der Gründungsurkunde der Pfarre Ravelsbach 1110 genannt. Das Stift Lilienfeld, Klosterneuburg, das Geschlecht der Seefelder und Buchberger scheinen als Besitzer der Lehen in Radlbrunn auf.

Das Geschlecht der Radlbrunner war nicht nur in Radlbrunn begütert, sondern auch in der Umgebung. Die nennen sich nach ihrem Wohnsitz unter Beibehaltung ihres Stammesnamens. 1281 verkaufte Melk seine Getreidezehente an das Kloster Lilienfeld. Die Kirche zum hl. Johannes d. T. (genannt 1280) befand sich im Mittelalter in einem Abhängigkeitsverhältnis zur Pfarre Ravelsbach. 1544 wird berichtet, dass hier immer ein Priester angestellt war. Später wurde die Pfarre wegen Priestermangels mit der Pfarre Groß-Riedenthal vereinigt. Erst 1760 erlangte die Pfarre wieder Selbständigkeit, wobei Rohrbach, Glaubendorf und Wetzdorf Filialen waren. Der 1723 erbaute Zehenthof wurde dabei Pfarrhof. 1763 erfolgte eine Vergrößerung der Kirche, ein Umbau 1812. Die Schule ist seit 1743 bekannt; ein neues Schulgebäude schuf Lilienfeld 1788.

1621 plünderten Kriegsvölker den Ort; 1679 herrschte hier die Pest. Die Grundherrschaft wurde ausgeübt von Unter-Dürnbach, Ravelsbach und Grafenegg. Das Marktwappen zeigt einen Brunnen zwischen zwei Löwen. Erhalten ist noch der Pranger.

Seit 1971 bei der Großgemeinde Ziersdorf.

Rohrbach (um 1230)

Bei dem Vorkommen des Namens Rohrbach an mehreren Orten im Weinviertel ist für das Mittelalter eine gesicherte Zuweisung von Nachrichten für diesen Ort schwer möglich. Das Passauer Domkapitel bezog hier um 1230 Zehente.

Die religiösen Verhältnisse im 16. und 17. Jahrhundert sind interessant:

1544 wird berichtet, dass die Pfarre von Radlbrunn aus versehen wird. Nach der Reformation war Rohrbach der Sitz eines Pastors. 1545 wird ein Verheirateter als Pfarrer vorgeschlagen. Ein gewisser Martin Schöner war sektisch eingestellt; damals wird auch hier ein Schulmeister mit 10 Knaben angegeben. 1618 wird ein lutherischer Friedhof angelegt. Die Pfarre verwaist in der Folge wieder, sodass die wenigen Katholiken in den Gottesdienst nach Glaubendorf gingen.

Als die Pfarre wieder besetzt wurde, gehörten die Filialen Dippersdorf und Glaubendorf dazu. Die Kirche ist dem hl. Andreas geweiht, wurde 1750 aus einem Langbau umgebaut und besitzt einen gotischen Chor. Die Altäre und Grabsteine stammen aus Zogelsdorfer Stein.

Seit 1971 bei der Großgemeinde Ziersdorf.